Einsatzbericht St. Martin's Hospital, Agroyesum
Mittels Schiffcontainern war bereits vor Monaten genügend Anästhesie - und OP - Material vorausgeschickt worden, teilweise konnten auch Bestände von früheren Aufenthalten verwendet werden.
Bis auf gelegentliche Störungen (Strom-,air condition,-Wasser-Ausfälle, Wackelkontakte bei elektrischen Geräten, „wandernde“ OP-Tische usw. ) war die vorhandene technische Ausrüstung völlig ausreichend, wenn auch nicht unbedingt bei uns geforderten Standards entsprechend, ebenso waren die hygienischen Vorraussetzungen etwas gewöhnungsbedürftig.
Unsere Ankunft war bereits vorher angekündigt, sodass sich am ersten Vormittag eine große Zahl von Patienten vorstellte und rasch das OP-Programm für eineinhalb Wochen feststand. Bei der Vielzahl von Patientinnen mit überwiegend sehr großen Strumen (Kröpfen) wurden mehrere mit etwas kleineren Befunden zunächst vertröstet, sie wurden anfangs der 2. Woche nochmals einbestellt und konnten letztlich alle operativ versorgt werden. Neben den Struma-OP’s lag der Schwerpunkt chirurgischerseits vor allem bei Leisten- und Narbenbrüchen sowie bei diversen Notfällen.
Die Hauptindikationen für die Gynäkologen waren Gebärmuttermyome und Gebärmutter-Scheiden-Senkungen, die mit Vaginalplastiken versorgt wurden, daneben Kaiserschnitte, die teilweise auch die einheimischen Kollegen vornahmen.
Insgesamt wurden in den 2 Wochen 101 Operationen durchgeführt.
Am mittleren Wochenende besuchten wir ein weiteres Krankenhaus der Diözese, das St. Peter’s Hospital in Jakobu, etwas näher an Kumasi gelegen. Die Verhältnisse - vom hygienischen, technischen und organisatorischen Aspekt gesehen - liegen hier dem europäischen Standard doch deutlich näher. Beeindruckt hat uns besonders der ärztliche Direktor (Chirurg), der offensichtlich etwas bewegen will und uns mehr oder weniger unverhohlen abwerben wollte. Wir hatten auch den Eindruck, dass er und sein Team gerne dazulernen will, was wir in Agroyesum leider etwas vermissten. Dort waren eigentlich nur 2 Ärzte, mit denen wir - allerdings sehr gut - zusammenarbeiten konnten, die anderen hatten Urlaub genommen oder waren abgetaucht. Eine Unterstützung auch dieses Hospitals wäre sicher sinnvoll!
Positiv beeindruckend war auch ein Besuch in einem Reha-Zentrum, welches ein Einheimischer in Eigeninitiative aufgebaut hat, unterstützt wohl nur durch einige Sachspenden von europäischen Organisationen. Neben Physiotherapie bestehen hier Ausbildungswerkstätten für u.a. Schuster, Möbeltischler und Schneiderinnen, außerdem eine funktionierende vielseitige Land- und Viehwirtschaft, so dass der Betrieb autark ist.
Insgesamt hatten wir sowohl mit dem Klinikpersonal als auch mit der einheimischen Bevölkerung nur gute Kontakte, es herrscht allgemein eine große Freundlichkeit und auch Fröhlichkeit und auch „unser“ Team passte von Anfang nahtlos harmonisch zusammen.
Roland Kühn


